Die heilige Klara schreibt
„Vertrauensvoll soll eine der anderen ihre Not offenbaren. Und wenn schon eine Mutter ihre leibliche Tochter liebt und nährt, mit wieviel größerer Liebe muss eine Schwester ihre geistliche Schwester lieben und nähren“
(Regel der hl. Klara, Kapitel 8)
Wenn mehrere Menschen verbindlich zusammenleben, braucht es bestimmte Rahmenbedingungen, die das Zusammenleben ordnen. Solch ein Rahmen ist für uns die Regel, die die hl. Klara am Ende ihres Lebens schrieb. Und die schwesterliche Gemeinschaft stand für Klara noch vor der Armut.
Gemeinschaft konkret
Die anderen wahrnehmen und sich füreinander verantwortlich fühlen. Das lernten wir zum Beispiel von Kalle, der schon vor einigen Jahren starb. Er schlief unter der Treppe des theologischen Institutes. Eines Tages, als es für Münster ungewöhnlich viel Schnee gab und die Straßenränder schon Andeutungen von Schneeverwehungen trugen, kam er zu uns an die Klosterpforte, um sich wie an jedem Tag ein Brot zu holen.
Da packte er plötzlich vorsichtig in seine große Jackentasche und sagte: „Guck mal, der saß im Straßengraben und hat schrecklich gefroren. Da habe ich ihn in die Tasche gesteckt, damit er sich etwas aufwärmt!“ Es war ein kleines Rotkehlchen, das sich ganz zutraulich in seine von der Kälte ganz roten Hände schmiegte und sich offensichtlich gut aufgehoben fühlte.
Dann steckte er es vorsichtig zurück in seine Tasche – mit einer Behutsamkeit, die tief anrührte. Jemand, der die Kälte kennt und die Perspektive vom Straßenrand aus, nimmt etwas anderes wahr als der, der meist in der Straßenmitte geht und eher den Kopf hoch trägt als nach unten sieht. Und „Straßenränder“ gibt es überall – selbst zuhause.
