Gebet

Kontemplation

Die heilige Klara schreibt

„Stelle dein Denken vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle deine Seele in den Glanz der Glorie, stelle dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit, und forme deine ganze Person durch die Beschauung in das Bild seiner Gottheit um.“
(3. Brief an Agnes von Prag)

Wir sind ein kontemplativer Orden. Wenn wir von Kontemplation sprechen, meinen wir eine Haltung, in der alle Kräfte des Menschen – die von Leib, Herz, Seele und Geist – gesammelt sind.

Dementsprechend heißt „kontemplativ leben“, das Leben so zu gestalten, dass wir uns nicht allen Eindrücken und Einflüssen aussetzen, sondern Raum, Zeit und Umstände suchen, die die innere Aufmerksamkeit naturgemäß wachen und ruhen lassen. Es heißt, die Welt so lange und so tief anschauen, bis wir auf dem Grund das Antlitz Gottes erahnen, – so lange und so tief zuhören, bis wir auf dem Grund aller Worte, Gott selbst hören. Und alle Menschen, deren Nöte und Ängste wir erfahren, mitzunehmen ans Herz Gottes.

Gebet konkret

Da war ein alter, bescheiden wirkender Mann, der jeden Mittag die Kirche betrat und sie kurz darauf wieder verließ. Eines Tages fragte der Pfarrer den Alten, was er denn in der Kirche tue. Er antwortete: „Ich bete.“ Aber nur so kurz? Daraufhin sagte er: „Ich kann kein langes Gebet sprechen, aber ich komme jeden Tag um zwölf und sage: Jesus, hier ist Johannes.“

Eines Tages musste Johannes ins Krankenhaus. Ärzte und Schwestern stellten bald fest, dass er auf die anderen Patienten einen heilsamen Einfluss hatte. Die Nörgler nörgelten weniger, und die Traurigen konnten auch mal lachen.

Und sie fragten Johannes, wie er das mache. „Ach“, winkte Johannes ab, „dafür kann ich nichts. Das kommt durch meinen Besucher.“ Doch niemand hatte bei ihm je Besucher gesehen. Er hatte keine Verwandten und auch keine engeren Freunde. „Dein Besucher“, fragte eine Schwester, „wann kommt der denn?“ „Jeden Mittag um zwölf. Er tritt ein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Johannes, hier ist Jesus.“ Das ist Beten.