Die heilige Klara schreibt
„Die Schwestern, denen der Herr die Gnade zu arbeiten gegeben hat, sollen in Treue und Hingabe arbeiten, dabei handle es sich um eine Arbeit, die ehrbar und für die Gemeinschaft nützlich ist, so dass sie den Geist des heiligen Gebetes und der Hingabe nicht auslöschen, dem alles Zeitliche dienen muss.“
(Regel der hl. Klara, Kapitel 7)
Arbeit – das bedeutet, tatkräftig Verantwortung für die Welt zu übernehmen, in der wir leben in unserem ganz konkreten Lebensumfeld, in das wir gestellt sind. Und um Den nicht aus dem Blick des Herzens zu verlieren, für den wir leben, tun wir unsere Arbeit möglichst in Stille.
Was auch immer der Gemeinschaft und den Menschen nützt, was die Fähigkeiten der einzelnen Schwestern ermöglichen, umreißt das Arbeitsfeld in Haus und Garten. Was auch immer wir tun, es soll dem Leben dienen.
Arbeit konkret
Vor vielen Jahren erzählte uns unsere damalige Äbtissin Schwester Coleta, dass manche Arbeiten direkt läuternden Charakter haben. So wurden zum Beispiel einmal zwei Schwestern, die es etwas schwer miteinander hatten und nicht so recht den Weg zueinander fanden, beauftragt, gemeinsam Fenster zu putzen: die eine von innen, die andere gleichzeitig von außen. Wer schon mal Fenster putzen muss, weiß wie es geht: zuerst wird es noch etwas undurchsichtiger beim Reiben mit dem nassen Tuch und erst dann wird es klarer. Es kommt darauf an, lange genug weiter zu reiben. Die beiden taten es. Und indem sie den Schmutz abwuschen, sahen sie die jeweils andere immer etwas klarer.
Man kann es lernen, hinschauen zu wollen auf das, was man eigentlich nicht sehen will. Man kann es lernen, einander anzuschauen, auch wenn die Gefühle dabei rebellieren. Man kann es lernen, das wegzuwischen und wegwischen zu lassen, was unseren Blick aufeinander verzerrt und verstellt. Vielleicht muss ich es auch eine Zeit lang allein tun und versuchen, das Fenster zu putzen, durch das ich den oder die andere sehe, ohne dass auf der anderen Seite jemand mitputzt. Wenn nur schon mein Blick sich verändert hat, dann ist schon viel Erlösendes geschehen.
