Die heilige Klara schreibt
„Die Schwestern dürfen sich nichts aneignen, weder Haus noch Niederlassung, noch irgendeine Sache. Und gleich wie Pilgerinnen und Fremde in dieser Welt, die dem Herrn in Armut und Demut dienen, mögen sie voll Vertrauen um Almosen schicken. Und sie dürfen sich nicht schämen, weil der Herr sich für uns arm gemacht hat.“
(Regel der hl. Klara, Kap. 8)
Das Haus, in dem wir leben, gehört uns nicht. Was immer wir zum Leben brauchen, wird uns geschenkt – bis in die ganz praktischen Dinge hinein: das Brot, das wir essen, das Wasser, das wir trinken, die Arbeit, die wir tun, die Zeit unseres Lebens. Und weil es uns geschenkt ist, schenken wir es an andere weiter, die es brauchen: das Brot, das Wasser, die Arbeit, die Zeit.
Armut im Sinne der heiligen Klara ist keine Stilfrage, sondern vor allem eine Frage der Liebe: einfach und in Freiheit in den Fußspuren Jesu laufen, der für uns arm geworden ist. Die Nähe zu ihm ist das Kriterium gelebter Armut.
Armut konkret
Eine Klasse neun- bis zehnjähriger Jungen kam zu uns mit der Frage, was für uns Armut bedeutet. Es fanden gerade die Spiele zur Fußball-Weltmeisterschaft statt. Und sie lieferten das Bild, das den Jungen vertraut war: Angenommen ihr habt ein wichtiges Spiel gegen eure Parallelklasse. Ihr habt trainiert und seid bereit. Das Spiel beginnt und bei dem Eröffnungspfiff nimmt euer Torwart eine Cola und eine Tüte Chips aus seiner Tasche und steckt sich die Ohrstöpsel seines Handys ins Ohr. – Empört unterbrachen mich die Jungen: Das geht doch nicht. – Und ich fragte weiter: Mögt ihr denn keine Cola und keine Chips? Und benutzt ihr kein Handy? – Doch, antworteten sie immer noch empört, – aber er soll doch den Ball fangen! – Ja klar, meinte ich, das kann er doch trotzdem. – Nein, war die klare Aussage – dazu muss er die Hände frei haben! Und den Kopf auch.
Genau das ist es: Wenn ich den Ball fangen will, muss ich die Hände frei haben. Es geht nicht darum, mich von allem, was mir wichtig ist, abzuwenden; sondern um die Entscheidung, welchen Ball ich fangen will.
